Frühjahr und Sommer sind die Monate der blühenden Pflanzen. In dieser Zeit reden alle von Frühlingsblühern und Sommerblumen, zwischendurch auch von der Blüte der Obstbäume. Doch eine bleibt oft hintenan, denn an sie denkt kaum jemand: die Blüte der Weinrebe (Vitis vinifera). Unscheinbar, klein und unauffällig verbirgt sie sich oft unter den Blättern und hinter dem dichten Grün der Rebe.
Die Blüte der Weinrebe beginnt etwa Anfang Juni, genau genommen jedoch 6–8 Wochen nach dem Austrieb.
Um das alles etwas genauer zu erklären, beginnen wir im Februar bis März. In dieser Zeit kommt die Rebe in den Saft; gebräuchlich wird auch oft gesagt, die Rebe beginnt zu „weinen“, da an den Schnittstellen vom Winterschnitt häufig etwas Saft heraustropft. Nach dem Weinen der Rebe beginnt mit steigenden Temperaturen der Austrieb. Aus den Knospen entwickeln sich junge Triebe und Blätter, die innerhalb weniger Wochen rasch wachsen. Etwa 40–60 Tage nach diesem Austrieb beginnt schließlich die Blüte - je nachdem, wie warm oder kalt sich das Frühjahr zeigt.
Um uns die Blüte nun etwas genauer anzusehen: Sie besteht aus vielen einzelnen, kleinen, etwa 2–5 mm großen Blüten, die an einer traubenförmigen Rispe angeordnet sind. Dies können je nach Sorte 100 bis 1.000 einzelne kleine Blüten sein. Sie duften himmlisch und sehen sehr unscheinbar aus. Das Spannende ist, dass sich die Kulturweinreben in unseren Breiten hauptsächlich selbst befruchten, da ihre Blüten zwittrig sind. Da es echt schwierig ist sich das vorzustellen habe ich hier noch eine Grafik für euch:
Nach der Befruchtung beginnt der spannendste Teil der Entwicklung der Weinrebe. Einige Blüten werden nicht befruchtet und fallen ab, die anderen bilden eine kleine grüne, etwa stecknadelkopfgroße, runde Kugel. Diese kleinen Kügelchen sind sehr hart und bitter.
In der nächsten Phase geht es der Weinrebe hauptsächlich um das Wachstum. Sie bildet eine kräftige Laubwand und lässt die Beeren schnell wachsen, wobei sie zunächst noch ungenießbar bleiben.
Dann kommt der sogenannte Traubenschluss. Dabei beginnen sich die Beeren innerhalb der Rispe zu berühren und die typische Form einer Weintraube wird sichtbar.
Der anschließend beginnende Reifebeginn wird auch Véraison genannt. Dieser setzt meist im Hochsommer ein. Dabei verfärben sich bei dunklen Rebsorten die Beeren von Grün zu Rot, Violett oder Blau. Bei hellen Sorten wie Grüner Veltliner oder Gelber Muskateller verändern die Trauben ihre typische grüne Farbe zu einem leicht gelblichen Ton, werden saftiger und beginnen süßer zu werden.
Nach der Reifephase, in der die Trauben endgültig ausreifen, genießbar werden und bereit für die Weinproduktion sind, beginnt die Ernte. Je nach Rebsorte, Klima und gewünschtem Weinstil beginnt die Lese meist zwischen August und Oktober. Der genaue Erntezeitpunkt richtet sich nach Zucker-, Säure- und Aromareife der Trauben.
Die Blüte ist der leise Anfang. Was im Juni verborgen zwischen den Blättern beginnt, reift über den Sommer heran und findet im Herbst seinen Höhepunkt. Dann ist die Zeit gekommen, aus den Früchten der Rebe Wein zu machen.

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